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Lusaka-Erklärung

19.-21. Mai 1999

von afrikanischen Organisationen der Bürgergesellschaft aus Burkina Faso, Lesoto, Kenia, Malawi, Mosambik, Nigeria, Kamerun, Swasiland, Tansania, Togo, Uganda, Südafrika, Sambia und Simbabwe

... Unsere Konferenz ist Teil einer Bewegung gegen die lähmenden Auswirkungen, die die Verschuldung auf Milliarden von Menschen hat, und für eine neue auf den Menschen bezogene echte Art der Ent-wicklung, ... die sich auf Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit beider Geschlechter und aller Bevölke-rungsgruppen gründet.

... Wir bestehen darauf, daß Gläubiger und G7-Länder nicht mehr die Bedingungen ... diktieren dürfen. Wir Afrikaner müssen unsere Entwicklungswege selbst bestimmen. Wir als Zivilgesellschaft haben bei der Festlegung der Bedingung für nachhaltige Entwicklung eine ganz ent-scheidende Rolle zu spielen.

...Schließlich bestehen wir darauf, daß die Verschuldung eine Manifestierung der neoliberalen Weltord-nung ist: der Macht der internationalen Banken, Darlehen dem Süden aufzudrängen, ohne Berücksichti-gung demokratischer Stimmen der Parlamente und der Zivilgesellschaften, und des verheerenden Cha-rakters der Weltwirtschaft, die für Importe aus dem Norden immer höhere Preise verlangt, während sie für Exporte des Südens immer geringere Preise bezahlt. (Die Rohstoffpreise sind 1999 niedriger als 1995, s. Börsenbericht am 7. Juli 1999, B 5 12.00-Nachrichten, G.S.)

Kurz, Verschuldung ist eins der wichtigsten Instrumente nördlicher Herrschaft über den Süden und der Herrschaft der Finanzwelt über Menschen, Produktion und Natur weltweit. Als Teil unseres Befrei-ungskampfes von diesen Ketten fordern wir die Streichung der Schulden als Teil eines weiteren Kamp-fes, die weltwirtschaftliche Ordnung zu verändern und die Macht der politischen Führung der reichen Länder und die wirtschaftliche Macht der transnationalen Gesellschaften und der internationalen Finan-ziers und ihrer Instrumente, d.h. dem internationalen Währungsfonds, der Weltbank, und der Welthan-delsorganisation zu entziehen. Diese Mächte haben im Süden ihre Handlanger, das sind einige unserer Technokraten, politischen und kommerziellen Eliten, die eine winzige Minderheit von Afrikanern dar-stellen, die das Washingtoner Abkommen stützen.

In diesem selben Geist werden wir sinnvolle, realistische Forderungen stellen nach Wiedergutmachung für den wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Schaden, der unseren Menschen angetan wurde.

Diese Wiedergutmachung darf nicht in die Taschen unserer Eliten sickern, sondern muß dem Aufbau unserer Gesellschaft und Umwelt sowie der Wiederherstellung unserer menschlichen Würde, besonders der der Frauen gewidmet sein.

... Wir verpflichten uns, die verschiedenen Instrumente demokratischer Regierung in Afrika zu stärken, um sicherzustellen, daß unsere Regierungen endlich anfangen, die Interessen unserer Menschen zu ver-treten. Wir verpflichten uns, zu diesem Zweck Beziehungen mit progressiven Zivilgesellschaften des Südens wie des Nordens zu stärken.

Unsere Strategie zur Erreichung unserer Ziele umfassen folgende Prinzipien und Aktionsfelder:

1. Bedingungen der Schuldenstreichung

2. Verbesserung der Kapazitäten der zivilen Gesellschaften

3. Wiedergutmachung und Überwachung der Darlehen

4. Neue internationale Finanzordnung

5. Verbesserte Rolle des Parlamentarismus und der Zivilgesellschaft

6. Aufbau eines Schuldnerkartells ...

Wenn wir bis Dezember 2000 keinen Fortschritt in Richtung Streichung von Afrikas Schulden erken-nen, werden die Zivilgesellschaften ihren Druck auf Verwerfung der Schulden hochschrauben und unser Engagement verstärken, uns von den internationalen Mächten zu lösen, die uns immer noch in Ketten halten.

Übersetzung: Dr. Bernt Lampe

Netz-Info, Sommer 1999
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