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Kirchliche Asylarbeit in Bayern

7. Studientag "Flüchtlingsarbeit und Kirchenasyl am 18. März 2000 in Nürnberg

Von Gudrun Schneeweiß

Am 18. März 7. 2000 fand der Studientag "Flüchtlingsarbeit und Kirchenasyl" in Nürnberg unter dem Motto "Wer Mut zeigt, macht Mut" statt. Dort gab Pfr. W. Steinmaier, Nürnberg, einen Lagebericht, den das NETZ-Info in Auszügen veröffentlicht:

"Ordnung ist nicht statisch, sondern bedeutet mit Spannungen umzugehen.

Ordnung ist weit mehr als eine statische Sache und deshalb auch kein Denken in starren Fronten. Sie besteht z.B darin, die Spannung auszuhalten zwischen unterschiedlichen Aufgabenstellungen und Sichtweisen und darüber im Gespräch zu bleiben ...

Unordnung muß benannt und veröffentlicht werden.

Durch die Kirchenasyle und andere von Unterstützern und Unterstützerinnen aufgegriffene Fälle wird die Unordnung öffentlich, die sonst im Dunkeln bleibt.

Vor einem Jahr wurde der Kurde Hüseyn Öztürk aus Amberg abgeschoben, da nach dem Urteil der Richter in Regensburg und Nürnberg Verfolgung auszuschließen sei. Er wurde zwei Tage gefoltert und dann bei beantragter Todesstrafe vor Gericht gestellt. ...

Ich nenne als anderes aktuelles Beispiel den schwer traumatisierten Sudanesen Abdallah Fathelrahman hier in Nürnberg. Mit höchstem Einsatz konnte er Ende 1999 durch die Freie Flüchtlingsstadt und eine urgent action in einem ausgesprochenen Tauziehen mit dem Innenministerium vor der Abschiebung im Privatjet bewahrt werden. Ein Nürnberger Richter hatte sich in diesem Fall selbst für befangen erklärt, weil er sich vom Innenministerium unter Druck gesetzt sah. Durch Gerichtsbeschluß wurde im Januar Duldung angeordnet bis zum Haupsacheverfahren ...

Am schlimmsten ist die Unordnung, die hingenommen wird. Im Fall des Grafenwöhrer Kirchenasyls weigerte sich der Richter letzten Herbst, die Zeugen aus Togo auch nur anzuhören ...

Das sind nur wenige Beispiele der lebensfeindlichen Unordnung, die immer wieder öffentlich benannt werden muß. ...

Ordnung bedarf der Orientierung....

Der Bürger, die Bürgerin sucht in der Unordnung nach Orientierung. Woran soll der Mensch sich halten? Was ist richtig? Geht es in Ordnung, einen schwerkranken Mann, der 20 Jahre hier lebt und Familie hat, abzuschieben? ... Man hat ihm nicht anderes vorzuwerfen, als daß er so lange hier ist. Was wäre Erlangen für eine Stadt, Bayern für ein Land, wenn es nicht den Unterstützerkreis gäbe, der in einem solchen Fall aufschreit? Und es gibt kaum ein anderes kirchliches oder gemeindliches Handeln, in dem der kirchliche Auftrag glaubwürdiger erscheint als dies, daß eine Gemeinde oder ein Kloster der Not gehorchend tut, was Gottes Gebot ist. ...

Kirchenasyl heißt menschliche Ordnung kontra Machtinteressen.

Die Kirchen als Lobby für Flüchtlinge? Wer widerspricht der Ordnung der Starken?

Die in Bayern weniger werdenden Kirchenasyle sind eine Chance, zur eigentlichen Problematik zurückzukehren. Denn es ist für die Regierung und für die Kirchen bequem, wenn sich die Optik auf ein paar Kirchenasyle reduziert. Und wenn darüber der notwendige politische Streit wegen so vieler schutzlos Bleibender in den Hintergrund tritt.

Nehmen wir die sogenannte Altfall- oder besser gesagt, Stichtagregelung, eines der mindesten Instrumente, unmenschliche Härten zu vermeiden. Die bayerische Staatsregierung hat daraus eine Altfallregelungs-Verhinderung gemacht, eine Mogelpackung.

Aber, wo bleibt der Aufschrei der Kirchen?

Erfreulicherweise gibt es da und dort Aufgeschlossenheit und persönliches Engagement, auch in Kirchenleitung und Synode. Eine geordnete Lobby für die Flüchtlinge wäre etwas anders. Öffentlichkeitsarbeit z.B. geht nicht irgendwie und ein bißchen nebenbei.

Kirchliche Asylarbeit in Bayern? Aus der Sicht der verfaßten Kirchen heißt die Antwort bisher: "Ja, aber als Hobby, nicht als Lobby!" Diese politische Anpassung der Kirchen ist für viele, die sich einsetzen, enttäuschender als der offene Gegenwind. Es braucht keine gewaltigen Veränderungen, sondern ein paar machbare Schritte. Für die wollen wir uns einsetzen, jede und jeder in seiner Kirche.

Ist es aber nicht töricht, für Flüchtlinge zu schreien, wenn jede Woche tausend Arbeitsplätze wegfusioniert werden? Es ist dieselbe Unordnung.- Die Flüchtlinge waren die Einstiegsdroge, da wurden wir zuerst daran gewöhnt, daß eben nicht mehr alles finanziert werden könne. Mit den hohen Zahlen wurde argumentiert. Woher kamen sie? Aus der Türkei und aus dem ehemaligen Jugoslawien, wie auch jetzt noch. Es sind dieselben Interessen des Geldes und der Macht, die die Welt und das Leben der Bevölkerung in Unordnung bringen, hier wie dort. ...

Die Ordnung des mutigen Samaritaners:

Was haben wir als Christen oder der Humanität verpflichteten Mitmenschen der lebensfeindlichen Unordnung entgegenzusetzen? Gott, den gemeinsamen Schöpfer zu lieben von ganzem Herzen und den Nächsten wie mich selbst! Mut braucht Vorbilder, Modelle. Der barmherzige Samariter leistet als Samaritaner einem andersgläubigen Juden Beistand. Priester und Levit aber gehen an dem hilflosen Opfer der Gewalt vorüber, denn ihre Welt soll in Ordnung bleiben."

G.S.

Netz-Info, Juni 2000
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