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"Dein Eigentum, das erschöpfte, DU selber richtest es auf"

Harald aus Viscri in Rumänien berichtet

Versprechen soll "mensch" halten: Wie angekündigt, erscheint wieder ein Bericht aus Viscri in Rumänien, wo sich die Frauen mühen, mit der Herstellung und dem Vertrieb von Socken eine Existenzgrundlage für ihre Familien zu schaffen.

"Einen Regen der Freigebigkeit schwingst nieder, du Gott, du Gott. Dein Eigentum, das erschöpfte, DU selber richtest es auf." Psalm 68 Vers 10 in der Übersetzung von Martin Buber kam dieser Tage zu mir angeflattert mit der Post in einem Brief von Charlotte Willberg aus Burgthann.

Das ist wichtig; die Freundinnen und Freunde in Deutschland, in der Schweiz, in Kroatien. Ohne sie, ohne ihre spürbare Hilfe, die Gebete, das Mit- und Füreinander-DA-SEIN könnte ich, könnten wir nur schwer diese Existenz eines gänzlich anderen Lebenskontextes durchstehen. Dessen bin ich sicher. Und so kommt dieses Wort auf dem 68. Psalm in vielerlei Gestalt zu mir.

Als Antwort zunächst auf die große Dürre dieses Landes, kein Regen seit Wochen, seit so vielen Wochen, daß sich die Katastrophenmeldungen aus dem Land überholen, hier die gesamte Weizenernte vernichtet, dort kein Mais, woanders die Sonnenblumen vertrocknet für das kostbare. Öl. Die Preise für Weizen und Mais springen in die Höhe. Pâine und mamaligas - Weizenbrot und Maisbrei sind die Grundnahrungsmittel der Rumänen. Wenigstens das soll auf den Tisch. 1 kg Zucker kostet bereits über 15000 Lei, 1,50 DM.

"Einen Regen der Freigebigkeit schwingst nieder, du Gott!" Wo und wie erlebe ich hier die Großzügigkeit unseres Gottes - wir können unsere vielfältigen Aufgaben wahrnehmen ohne ständig nach Geld Ausschau halten zu müssen. Doch unsere Nachbarn - sie können das wenige Obst, das trotz der Dürre wächst, Johannisbeeren gab es, Mirabellen gibt es, nicht zu Marmelade verarbeiten oder zu Kompott, der Zucker ist für sie unbezahlbar.

Wir erleben die Fürsorge durch die Spenden unserer Freundinnen und Freunde aus Deutschland und so können wir teilen.

Die Dürre, die wir hier erleben, hat sich auf alle Bereiche des Lebens gelegt: zu wenig Nahrung, zu wenig Schule, zu wenig Bildung, zu wenig Kultur, zu wenig Glaube. Und doch gibt es bei uns im Dorf auch Funken der Hoffnung, die wir nähren: Es klingt einfach und Ihr habt davon im NETZ-Info März 2000 gelesen: das ist der Sockenhandel der Frauen, das ist die Spinnmaschine, die alle Frauen besitzen werden, das sind Strukturen von Demokratie und Selbstverwaltung, an deren Aufbau wir, Maria und ich, Harald, Anteil haben.

"Einen Regen der Freigebigkeit schwingst nieder, du Gott!" - Wir hatten genügend Geld sammeln können, um jeder Frau für 100 Monate 100 DM leihen zu können. Jeweils einen actiune, eine Aktie für die Spinnmaschine, konnten sie damit erwerben, "unser" Geld bekommen wir in Raten von 1 DM zurück: 8 Jahre und 4 Monate sollen die Frauen zahlen, und selbst das fiel vielen Frauen schwer. 48 Anteile wurden gekauft. Eine Reihe von Frauen nahmen zwei. Um die Kosten richtig zu verteilen, hätten alle 116 Frauen einen Anteil kaufen müssen.

"Einen Regen der Freigebigkeit schwingst nieder, du Gott, du Gott, dein Eigentum, das erschöpfte, du selber richtest es auf."

Und dann kam der Regen, der Regen aus den Wolken, wohl in das dürre Gras - die Dürre wurde mit barmherzigem Regen gesegnet: SEIN Eigentum, das erschöpfte, ER selber richtet es auf.

Was hieß das hier bei uns?

Die orthodoxe Gemeinde versammelte sich zum Gebet am vergangenen Sonntag, dem 9. Juli, zum Gebet um Regen, draußen.

An dem Nachmittag kam der erste Regen, in dicken, schweren Tropfen fiel er.

Gott hatte das Gebet erhört.

Andere, ausländische Medien, belächelten diese Gebete im ganzen Land als mittelalterlichen Zauber (BBC).

Singt mit mir: ""Einen Regen der Freigebigkeit ..."

PS: Socken gibt es weiterhin bei H.H.Willberg, Mühlbachweg 13, 90559 Burgthann, Tel. 09183/950039, E-mail: HHWillberg@kCompuServe.com . Wie wäre es mit einer großen Bestellung zum Erntedankfest am 1. Oktober 2000?

Netz-Info, September 2000
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