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ERLASSJAHR 2000 - ENTWICKLUNG BRAUCHT ENTSCHULDUNG

Tagung : Internationaler Währungsfond und Weltbank vom 25. bis 27 September 2000 in Prag

von Gudrun Schneeweiß

Situation in Prag

Der Internationale Währungsfond (IWF) und die Weltbank nehmen einen neuen Anlauf, ihre vorgeschriebenen Jahrestagungen zu halten. Diesmal trieffen sie sich in Prag, der Hauptstadt der Tschechischen Republik.

Weil das letzte Treffen der sieben bzw. acht größten Industrienationen, das G7/G8-Treffen, in Seattle, USA, und die Tagung der Welthandelsorganisation (World Trade Organisation, WTO) in Washington, USA,unter dem massiven Protest eines breiten Bündnisses von Nichtregierungsorganisationen, kirchlichen Initiativen und Gewerkschaften gestanden sind, herrscht bei dem tschechischen Innenministerium und ihren Ordnungskräften Katastrophenstimmung. Man befürchtet bürgerkriegsähnliche Zustände, wenn die "linken Chaoten" aus der ganzen Welt heuschreckenhaft über Prag herfallen würden. So werden alle Schulen geschlossen sein; Familien mit Kindern und Rentnern wurde offiziell empfohlen, für die Zeit der Tagung Prag zu verlassen. Kein Wunder also, daß ängstliche Mütter sich um die Sicherheit ihrer Kinder sorgen, alte Leute in Panik geraten!

Woher ich diese Kentnisse habe? Lange Gespräche bei einem Besuch in Prag Mitte August 2000 konnten diese Horrorvisionen kaum zerstreuen. Selbst der berechtigte Hinweis auf den friedlichen Protest der 10 km langen Menschenkette in Köln beim G7/G8-Treffen im Juni 1999 wurde mit Skepsis aufgenommen. Zudem ist die Kenntnis über Aufgabe und Vorgehensweise des Internationalen Währungsfonds gering; die Kampagne "Erlaßjahr 2000" hat zwar einen tschechischen Namen "Milostvé léto 2000", aber ihre Ziele sind weithin unbekannt. Dabei hat sich die Ökumenische Akademie, die Bildungseinrichtung des Ökumenischen Rats Prag, bereits vom 19. bis 21. November 1999 bei einem Seminar zusammen mit der evangelischen Akademie Meißen mit der Problematik des Schuldenerlasses in Prag beschäftigt und dazu so kompetente und prominente Referenten wie J. Kaiser von "Südwind" und den Generalsekretär des Ökumenischen Rats Konrad Raiser aus Genf gewinnen können.

Aufklärung in jeder Hinsicht tut also weiter Not. Deswegen plant der Direktor der Ökumenischen Akademie, Pfarrer Jiri Silny, statt Protesten und Menschenketten vor allem Foren zu den Themen "soziale und ökologische Folgen der Schuldenkrise", "Probleme osteuropäischer Länder" und "kritische Bilanz der Entschuldungsprogramme".

Gudrun Schneeweiß

Weitere Information auf deutsch oder englisch ist erhältlich bei Lenka Maskova, CEE Bankwatch Network, Kratka 26, 10000 Prag 10, Tel. und Fax: 0042-02-781651, E-Mail: lenka.maskova@ecn.cz, Internet: www.bankwatch.org; oder bei der Ökumenischen Akademie Prag, E-Mail: ekumakad@volny.cz

Netz-Info, September 2000
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