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40 Personen auf dem Ökumenischen Pilgerweg

von Regensburg nach Passau

von Gerhard Beck

Der Ökumenische Pilgerweg für Gerechtigkeit 2000, veranstaltet vom Missionswerk der katholischen Weltkirche in Bayern, MISSIO-München, dem Missionswerk der Evang.-Luth. Kirche in Bayern, dem Ökumenischen Netz Bayerns, Initiativen in Vilshofen und Passau, wollte die Politiker an ihre in Köln eingegangene Verpflichtung erinnern und die Öffentlichkeit für den Gedanken des Schuldenerlasses für die ärmsten Länder der Welt gewinnen.

Nun tun die Füße aber wirklich weh, Müdigkeit macht sich breit. Nach vier anstrengenden Tagen sind die Pilgerinnen und Pilger froh in Passau angelangt zu sein.

Am Donnerstag, den 15.6.2000 waren sie im Regensburger Diözesanzentrum aufgebrochen: Ungefähr 40 Pilgerinnen und Pilger, die sich unter dem Motto "Laßt uns den Weg der Gerechtigkeit gehen" zu einem Ökumenischen Pilgerweg zusammengefunden hatten, machten sich auf den Weg nach Passau. Eine Gruppe, die unterschiedlicher wohl nicht sein könnte: Jung und Alt (21-85), Menschen verschiedener Hautfarben und Nationalitäten (Deutsche, eine Südafrikanerin, 2 Brasilianerinnen, ein Tansanier), Evangelische, Katholische, eine Presbyterianerin, kirchliche Laien, eine Franziskaner-Schwester, ein Kapuziner-Pater. Sie alle hatten sich zu diesem vom bayerischen Missionswerk in Neuendettelsau, dem katholischen Missionswerk missio München und dem Ökumenischen Netz Bayern organisierten Pilgerweg zusammengefunden. Im Mittelpunkt stand die Frage nach der Gerechtigkeit und die Unterstützung der Kampagne "Erlassjahr 2000 - Entwicklung braucht Entschuldung". Diese Kampagne fordert eine weitgehende Entschuldung der Entwicklungsländer, um diesen eine gerechte Chance auf Entwicklung zugeben. Woher diese Schulden alle kommen, und wie man sie beseitigen kann, darüber informierte Professor Walter Ulbrich am Donnerstag die Pilger und Pilgerinnen. Eine andere Möglichkeit diesen Ländern zu helfen, zeigte Rosario Beitler vom Una-Terra-Laden in Regensburg im Fairen Handel auf. Wie jeder Tag stand der Donnerstag für die Pilger und Pilgerinnnen unter einem Motto: "Vergangenheit sehen". Dass Armut und Ungerechtigkeit keine Erfindung der Neuzeit sind, dies erfuhren die Pilger dann bei einer abendlichen Stadtrundführung unter dem Motto "Armut und Reichtum in Regensburg".

Der Freitag stand unter dem Motto "Beziehungen schaffen". Beim gemeinsamen Bahnfahren, bei Schweigemärschen und Meditationen konnten die Pilger und Pilgerinnen Beziehungen schaffen. Nicht nur zur Zwischenstation Straubing und ihren Bewohnern, auch zu Menschen aus anderen Kontinenten, wie dem tansanischen Pfarrer Dr. Fidon Mwombeki, der die Gruppe einen Tag begleitete. Eine tiefer gehende Beziehung begannen die Wallfahrenden zur Natur, der Schöpfung Gottes, bei einem Marsch durch die Donau- und Isarauen zu knüpfen. Hierbei wurden sie über die Schädlichkeit eines radikalen Donau- und Isarausbaus informiert. Der Samstag griff dieses Thema unter dem Motto "Begegnungen ermöglichen" nochmals auf. Nach einer Schiffahrt vom Übernachtungsort, der Klosterabtei Niederalteich, einem Mittagsgebet bei den Missionsbenediktinern im Kloster Schweiklberg bei Vilshofen, Schweigezeiten und Fußmärschen ermöglichte der Besuch einer evangelischen Gemeinde und eines katholischen Vorabendgottesdienstes Begegnungen mit Unterstützern in Passau.

Passau: Der Zielort nach drei langen Tagen, die alle gegen 7.00 Uhr begannen und frühestens um 22.00 Uhr endeten. Nach drei Tagen, an denen viel gegangen, viel nachgedacht wurde. Tage, in denen es viele schöne und auch wenige unschöne Begegnungen, wie etwa die Beschimpfung der Pilger und Pilgerinnen als "Gschwerl", gab. Freundlich wurden sie in den Orten aufgenommen, dort auch von der Presse beachtet. Diese Öffentlichkeitsarbeit war den Pilgern wichtig. Und so setzten sie an ihrem letzten Tag, dem Sonntag, noch einmal ein Zeichen:

Zwischen 11 Uhr und fünf vor zwölf hielten sie eine schweigende Mahnwache für den Schuldenerlass oder informierten Passanten vor dem Passauer Stephansdom über die Kampagne "Erlassjahr 2000 - Entwicklung braucht Entschuldung".

Daß sich allein durch diese Aktion und den gemeinsamen Pilgerweg nichts ändert, dessen waren sich alle bewußt. Doch sie wollten ein Zeichen setzten. Und eine zweite Sache, wie es einer der Pilger ausdrückte, war der Pilgerweg sicher auch: "Ein Erlebnis"

Gerhard Beck, Regensburg

Netz-Info, September 2000
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