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Kinder stark machen

Kinderrechtskonvention

von Christa Riemer

Die Bundesrepublik Deutschland ist 1992 der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen beigetreten. Sie enthält Rechte der Kinder, die auf der ganzen Welt gelten sollen, z.B. das Recht auf Gesundheit und Wohlergehen. Dazu gehören auch eine saubere Umwelt, ausreichend Ernährung, ein Dach über dem Kopf, ein Leben ohne Gewalt, genügend Freiräume für Spiel und Freizeit. Kinder sind anfälliger für Schadstoffe und Umweltbelastungen und daher besonders schutzbedürftig. Schließlich sollen sie auch die Möglichkeit haben, Eltern und Großeltern zu werden und das Leben an nachwachsende Generationen weiterzugeben.

Armutsrisiko "Kinder"

"3 Millionen arme Kinder in Deutschland!" Nach neuesten Untersuchungen stellt die Studie der Arbeiterwohlfahrt fest, daß bereits 2 Kinder den Sozialstatus der Familie erheblich beeinträchtigen, 46 % der ostdeutschen und 31 % der westdeutschen Familien mit 3 und mehr Kindern als arm gelten. Oft sind Kinder aus solchen Familien gegenüber Gleichaltrigen mehrfach benachteiligt und Repressalien ausgesetzt, werden diskriminiert und haben dadurch schlechtere Startbedingungen für ihr späteres Leben.

Der Kindergipfel auf der Expo 2000

Der Kindergipfel wollte das Bewußtsein für die Situation der Kinder auf dieser Welt unter Gleichaltrigen und Erwachsenen schärfen, ein Klima der Solidarität und Zuversicht schaffen und zu konkreten Schritten ermutigen.

Nach Hannover eingeladen hatte die Naturfreundejugend Deutschlands, die sich besonders sozialer und ökologischer Kinderrechte annimmt im Sinne der Agenda 21. Vom 30.9. bis 3. 10.2000 trafen sich rund 70 Jungen und Mädchen aus den deutschen Bundesländern - darunter 4 Teilnehmerinnen im Alter von 10 und 11 Jahren aus Erlangen, die einzigen aus Bayern.

Als internationale Gäste kamen zwei Theater- und Tanzgruppen aus Uganda und Indien hinzu.

In 9 workshops befaßten sich die Kinder mit den Themen Wald, Stadt, Verkehr, Wasser, Energie, Frieden, Armut, Kinderrechte, Ernährung; in jedem stand ein Experte für spezielle Auskünfte zur Verfügung. Als Ergebnis der workshops wurde am Montag, dem 2. 10. im BigTipi - dem Kinder- und Jugendzentrum der Expo - Herrn Bunderkanzler Gerhard Schröder im Rahmen eines 45-minütigen Interviews ein Zukunftsvertrag übergeben, dieser enthält jeweils Selbstverpflichtungen und Forderungen an die Politiker zu den einzelnen Themen der workshops.

Eine erste Überprüfung der Umsetzung des Vertrags soll im Jahre 2002 bei einem Folge-Gipfel stattfinden.

Ziel des Kindergipfels war es, Vorstellungen und Forderungen von Kindern für eine lebenswerte Zukunft auf unserem Planeten zu sammmeln, mit Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft zu diskutieren und sich zu Hause für die Verbreitung der Ergebnisse einzusetzen. Viele der Kinder und Jugendlichen sind bereits in regionalen Gruppen engagiert; die Erlanger Gruppe wird sich ebenfalls weiter treffen.

Die Kinder betonten, daß wir alle in e i n e r Welt leben und nicht in drei. Sie möchten als Gesprächspartner ernst genommen werden.

Bundeskanzler Schröder ermutigte sie, mehr Kinderparlamente zu bilden und Kontakte zu knüpfen zu örtlichen Volksvertretern.

Christa Riemer



Aus dem "Zukunftsvertrag" der Kinder - eine kleine Auswahl

Für eine Umwelt mit Zukunft

Forderungen:

Wir wollen, daß der Wald erhalten bleibt, zum, Beispiel durch mehr Nationalparks.
Wir fordern, daß Seen und Flüsse besser vor Verschmutzungen geschützt werden, damit sie sich langsam selbst reinigen können.
Wir fordern, daß der Bau und die Modernisierung von Kläranlagen staatlich stärker gefördert wird und der Betrieb der Anlagen strenger kontrolliert wird. Gleichzeitig müssen Maßnahmen zum Wassersparen gefördert werden.
Wir fordern, daß Entwicklungsländer bei der Absicherung ihrer Trinkwasserversorgung und der Reinigung ihrer Abwässer besser unterstützt und beraten werden.
Wir wollen, daß alternative Energien, zum Beispiel die Solarenergie, gefördert werden.
Wir fordern die Einführung eines "Energiesparbonus" und die Bestrafung bei sehr hohem Energieverbrauch. Die eventuell daraus entstehenden Gewinne sollen wie die Ökosteuer für Umweltprojekte eingesetzt werden.
Wir fordern, daß die tatsächlichen Kosten für Atomstrom berücksichtigt werden. Wir fordern, daß am Ausstieg aus der Atomenergie festgehalten wird. Die Atomstromimporte aus dem Ausland und Atommüllexporte in das Ausland sollen unterbunden werden.
Wir fordern, daß mehr Freiflächen für Fußball und andere Spiele angelegt sowie verwilderte Grasflächen für Abenteuerspielplätze in großen Städten zur Verfügung gestellt werden.
Wir fordern artgerechte Tierhaltung, zum Beispiel die Abschaffung der Käfighaltung bei Hühnern.
Wir Kinder fordern weniger Chemie im Essen und eine verständliche Darstellung der Inhaltsstoffe von Lebensmitteln auf den Verpackungen.

Selbstverpflichtungen:

Wir wollen selbst so viel wie möglich Wasser sparen, zum Beispiel beim Duschen (kurz), Baden (selten) und beim Autowaschen.
Wir wollen, wo immer möglich, Trinkwasser durch Regenwasser ersetzen.
Wir wollen durch Aktionen zur Aufklärung beitragen über den Umgang mit Wasser und alle Problem, die damit zusammenhängen.
Wir wollen sparsamer mit Papier umgehen.
Wir versuchen, zum Beispiel in der Schule und zu Hause, andere Menschen über die Ursachen von Waldschäden aufzuklären und ihnen zu sagen, was sie dagegen tun können.
Wir wollen unseren Müll trennen.
Wir werden Energie einsparen.
Wir werden Projekte zum Thema Energie durchführen und uns dafür einsetzen, daß möglichst alle Neubauten in unseren Städten und Gemeinden nach neuesten ökologischen Kriterien realisiert werden.
Wir werden nicht so viel Süßes essen, sondern mehr nährstoffreiche Produkte, wie zum Beispiel Obst und Gemüse. Wir werden uns abwechslungsreich ernähren.
Wir werden auch andere auffordern, biologische Lebensmittel zu essen.

Für eine gerechte Zukunft

Forderungen:

Wir fordern mehr finanzielle Hilfen für einkommensschwache Familien in Deutschland.
Wir fordern mehr soziale und finanzielle Unterstützung für Flüchtlinge.
Wir fordern, daß den Entwicklungsländern die Schulden erlassen werden und daß bei neuer Kreditaufnahme die Zinsen stark reduziert werden.
Da Kinder am meisten unter Krieg leiden, fordern wir besonders starken Einsatz für gewaltlose Friedenssicherung in der ganzen Welt.

Selbstverpflichtungen:

Wir garantieren, daß wir dafür kämpfen, daß alle Kinder gleichberechtigt behandelt werden
Wir garantieren, daß wir mehr Aktionen für Kinder und Familien starten, die sich nicht viel leisten können.
Wir garantieren, daß wir beim Einkauf auf Produkte aus fairem Handel und auf faire Preise achten.
Wir wollen uns für die Abschaffung der Wehrpflicht einsetzen.

Für Kinderrechte in Zukunft

Forderungen: Alle Kinder auf der Welt haben Rechte. Am wichtigsten ist uns die Meinungsfreiheit.
Kinder sollen über ihre Rechte aufgeklärt werden.
Erwachsene und Politiker sollen den Kindern zuhören, sie aussprechen lassen und vor Entschlüssen nach ihrer Meinung fragen.
Wir fordern Aufklärung über Ursachen von Gewalt ab der Grundschule.
Wir fordern von allen Politikern gemeinsam ein aktives Eintreten gegen Gewalt.
Wir fordern mehr Sicherheit in den Städten vor Gewalt.
Selbstverpflichtungen:
Wir Kinder vertreten unsere Meinung und verteidigen unsere Rechte.
Wir wollen uns mehr mit Kinderrechten auseinandersetzen.
Wir versuchen so viele Leute wir möglich auf die Kinderrechte aufmerksam zu machen.
Wir verpflichten uns, auf unseren Spielplätzen nichts absichtlich zu zerstören.
Wir verpflichten uns, Politikern unsere Probleme mitzuteilen und uns für deren Lösung einzusetzen.
Wir wollen keinen Haß gegenüber anderen Menschen entwickeln.
Wir wollen nach dem Grundsatz handeln: "Alle Menschen sind gleich."

Netz-Info, Dezember 2000
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