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Ein paar Anmerkungen zur Gegenwart

z.B. BSE

von Gudrun Schneeweiß

Hat sich die Welt seit Dezember 2000 wirklich so verändert?

Eigentlich: Nein!

Nur wir Menschen reagieren etwas seltsam, ich möchte behaupten, hysterisch, wenn wir mit unseren eigenem Fehlverhalten konfrontiert werden. Ja, Hysterie ist im Spiel. Hysterie ist nach dem Herkunftswörterbuch des Duden eine "auf psychotischer Grundlage beruhende oder aus starken Gemütserregungen entstehende, abnorme seelische Verhaltensweise". Und so verhalten wir uns auch genau, wenn wir uns in unserem eigenen kostbaren Leben bedroht fühlen. Ja, ich meine die Krise in unserer Lebenshaltung, die durch BSE-Fälle in ganz Deutschland und die Aufdeckung von illegalen Antibiotikagaben in der Schweinemast, ausgelöst worden ist.

Ich will nichts beschönigen: Sowohl die Gefahr der Übertragung von BSE -in Form der Creutzfeld-Jakob-Krankheit auf den Menschen wie auch die Gefahr, durch den Genuß entsprechenden Schweinefleischs gegen die heilende Wirkung von Antibiotika resistent zu werden, bedrohen potentiell uns Menschen.

Aber: Wer hat uns diesen unheilvollen Cocktail eingeschenkt? Nein, nicht nur ein profitgieriger Markt, ein unverantwortliches Gewinnstreben bei Futtermittelherstellern und die Blauäugigkeit von Bauern, die nicht deklarierte Futtermittel verfüttern! Wir Fleischfresser sind schon selbst schuld!

Ich habe in meinen alten Haushaltsbüchern aus den Sechziger Jahren geblättert und mußte feststellen, daß Fleisch, Eier, Butter und Käse damals in etwa soviel kosteten wie heute. Aber ich erinnere mich auch noch sehr gut, daß mein Mann als Studienrat 1962 brutto unter 1000 DM verdient hat. In dieser Relation ist also heute der Fleischpreis wesentlich niedriger.

Was folgt daraus? Einmal zeigt sich natürlich, daß rationelle Produktionsmethoden im Lebensmittelbereich auch den Anstieg der Preise verhindern kann. Aber: Wir alle beeinflußten noch in ganz anderer Weise den Lebensmittelmarkt! Zwar stiegen unsere Ansprüche dauernd, z.B. das tägliche Stück Fleisch auf dem Teller betrachteten wir als Normalfall, doch wir wollten nicht den fairen Preis dafür zahlen. Die Produktion von Fleisch ist teuer, weil ein Kilogramm Fleisch den Einsatz der zwei- bis vierfachen Menge an Getreide erfordert, wenn man nicht billigere und letztlich zu "billige" Ersatzstoffe findet ... Und beim Schlachten fällt ja genügend Abfall an ...

Der Weg zur Tiermehlverfütterung als preiswerter Ausweg und als ein Mittel dem gierigen Konsumenten sein billiges Stück Fleisch zu garantieren, war vorgezeichnet. Auf diesem Weg vergaßen zudem alle Beteiligten, daß Tiere keine "Sache", kein "Produkt" sind, sondern lebendige Wesen.

Damit liegt letztlich die Schuld für BSE-Krise usw. bei unserer wohlhabenden, begehrlichen, geizigen Gesellschaft.

Beschämend für uns alle ist dabei, daß unsere Tradition eigentlich die "christliche" ist: In der Hebräischen Bibel wird der Mensch als Ebenbild Gottes Herrscher und Hüter der Schöpfung dargestellt, der wie Gott selbst für seine Schöpfung und all ihre Geschöpfe sorgen soll (Gen 1,26-27 und Gen 2,15). Nun können Traditionen ganz schnell und gründlich in Vergessenheit geraten.

Aber Menschen müßten sich eigentlich der Entwicklungsketten bewußt zu sein, die ihr Handeln auslöst. Damit liegt die Verantwortung für die Krise wieder bei uns selbst.

"Gerechtigkeit" fängt beim fairen Preis an, "Bewahrung der Schöpfung" heißt auch richtige Behandlung und Fütterung von Tieren, die dem Menschen zur Nahrung dienen ...

Machen wir endlich unsere Hausaufgaben - und nicht nur bei unserer Ernährung!

Gudrun Schneeweiß

Netz-Info, März 2001
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