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Eine Tansanische Delegation besucht München

von Dr. Bernt Lampe

Seit über 20 Jahren unterhalten die evang.-lutherischen Prodekanate München-West und -Südwest eine Partnerschaft mit der evang.-lutherischen Diözese "Konde" im Südwesten Tansanias. Regelmäßige Besuche in beiden Richtungen sind ein wesentlicher Bestandteil dieser Partnerschaft. In diesem Jahr kam eine achtköpfige Delegation aus Tansania nach München. Für alle war das der erste Besuch in Deutschland und sogar Europa, alle hatten zum ersten Mal eine Flugreise erlebt. Ein dichtes Programm von Besuchen war für sie vorbereitet; in kirchlichen und weltlichen Einrichtungen, in Museen und Gemeindefesten. Hier einige Eindrücke der Delegation:

Nachdem die deutschen Missionare den Tansaniern in der Anfangszeit der dortigen Kirche strenge Lebensregeln für Christen vermittelt hatten (kein Alkohol-, kein Tabakkonsum, klare Verhaltensregeln zwischen den Geschlechtern) fanden sie dass die deutschen Christen, auch die Pfarrer, diese Regeln recht leger handhaben. Wiederholt wurden wir zu Kommentaren dazu angeregt.

Positiv vermerkt wurde, wie in hiesigen Einrichtungen für Behinderte, Alte und Kranke (AIDS) gesorgt wird, dass hier Menschenleben an sich geschätzt und gewürdigt wird. Uns hat erstaunt und gefreut, wie viel offener als noch vor zwei Jahren, die Tansanier auch in gemischten Gruppen über AIDS sprechen konnten.

Eine Lehrkrankenschwester, der ein dreitägiger Arbeitsbesuch in einem Krankenhaus vermittelt worden war, sah diesem Einsatz mit Bangen entgegen, zu ihrem Erstaunen, wurde sie von dem hiesigen Personal voll anerkannt, konnte selbst Hand anlegen und überlegte, wie sie ihre Erfahrungen zu Hause ohne die technischen Einrichtungen wird umsetzen können.

Ein Schulleiter wurde auf die Schönheit der Bäume hier aufmerksam, er will sie seinen Schülern vermitteln und damit im eigenen Land die (Wieder-)Aufforstung fördern.

Ein Jugendleiter einer Kleinstadtgemeinde hatte gefürchtet, dass der Altersunterschied zu seinen Gastgebern hier, ein Gespräch kaum möglich machen würde. Uns fiel auf, dass er in Gegenwart seines älteren und in der Kirche hochrangigen Mitgastes ziemlich gehemmt war und erst auftaute, wenn er mit uns allein war. Er meinte zum Schluss, der Altersunterschied zu den Gastgebern habe dann doch keine Rolle gespielt, er fühlte sich für voll genommen.

Ein junger Pfarrer, der als Zweitstudium Soziologie studiert, fand es sehr hilfreich, dass er die (hauptsächlich technischen) Einrichtungen, von denen er bisher nur theoretisch erfahren hatte, nun ganz konkret gesehen und erlebt hat und erfahren hat, wie sich einiges entwickelt hat (Bauernhausmuseum Glentleiten und Deutsches Museum).

Bewunderung äußerten unsere Gäste über die Fähigkeiten und Möglichkeiten, die hier die Frauen haben, - sie hatten offenbar gemerkt, dass ihr Programm weitgehend von Frauen gestaltet und organisiert worden war.

Dr. Bernt Lampe

Netz-Info, Herbst 2001
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