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M'Pumi aus Südafrika als Praktikantin in Regensburg

Solidarität ist möglich
von Birgit Beck

»Bei uns seid ihr schon alt«, sagte Nompumelelo Mncwabe aus Südafrika am Küchentisch zu mir und meinem Mann. »Meine Mutter ist 50 Jahre alt, sie weiß es nicht so genau. Sie ist alt, ich will ihr helfen, dass sie nicht mehr jeden Tag auf der Straße stehen und Obst und Gemüse verkaufen muss. Sie verdient oft nur 10 Rand am Tag, manchmal auch nichts. Deswegen schicke ich ihr jeden Monat von meinem Taschengeld 100 DM.«

Das war ein wichtiger Grund für die Zwanzigjährige, sich auf das Abenteuer »Praktikum in Deutschland« in einer evangelischen Kirchengemeinde und bei der evangelischen Jugend im Dekanatsbezirk Regensburg einzulassen und - auf Schnee, Eis und Kälte. Ein anderer Grund: Sie war arbeitslos, hatte zwar Abitur, aber kein Geld für ein Studium, wie die 30 anderen jungen Leute aus ihrer Klasse und keine Zukunftsperspektive. Sie sagte sofort »Ja«, als sie gefragt wurde, ob sie für ein Jahr nach Deutschland wolle.

Aus einem schwarzen Township, zu einer wildfremden weißen Familie, fast ohne Sprachkenntnisse - und das noch mit der Vorbelastung der Apartheid - der strikten Rassentrennung zwischen Schwarzen, Weißen, Farbigen und Indern!

Einige sehr positive Erfahrungen mit Weißen hatte sie erlebt - während eines einjährigen Grundkurses für kirchliche Jugend- und Gemeindearbeit bei der Gemeinschaft KENOSIS und bei ihrer ehrenamtlichen Mitarbeit in der Nichtregierungsorganisation PACSA (Pietermaritzburg Agency for Social Awareness). Dort arbeitete sie mit Menschen verschiedener Hautfarben zusammen, um in ihrem Gebiet in Kwa-Zulu-Natal in der Nähe von Pietermaritzburg eine Befragung zu machen, wie bewusst sich die jungen Leute der Seuche AIDS sind. In ihrem Gebiet sind 50 % infiziert.

PACSA ist eine anerkannte NGO, die ich seit 15 Jahren kenne, die sehr genaue Berichte und Abrechnungen vorlegt. PACSA macht Menschenrechtsarbeit, organisiert bewusstseinsbildende Kampagnen gegen sexuellen Missbrauch, Vergewaltigung (Südafrika hat die höchste Vergewaltigungsrate der Welt), Gewalt in den Familien, Ungerechtigkeit aufgrund der Tradition, Religion, der Geschichte, des sozialen Systems und der wirtschaftlichen Verhältnisse. PACSA arbeitet aktiv bei der Erziehung zur Demokratie und in der Friedensarbeit.

Seit September lebt sie bei uns, wie eine Tochter. Sie nennt uns Mutter und Vater und unsere Söhne sind ihre Brüder. Bei gemeinsamer Arbeit, beim Spazierengehen im Wald, beim Essen, kommen die Erzählungen, die unter die Haut gehen. »Ein Ministückchen Seife für die ganze Familie, jeden Tag das Wäschestück waschen, das man am nächsten Tag braucht, denn es gibt keinen Kleidervorrat. - Geschirrspülen auf dem Hof, auch wenn es regnet. - Kein Buch, keine Zeitung im Haus. - Lernen am Abend unmöglich, denn wenn man kein Geld mehr für Strom hat, dann braucht man Paraffin, und auch dafür ist oft kein Geld mehr da.«

»Was esse ich heute Abend?«, ist bei ihr zu Hause keine Frage, denn es gibt nur selbstangebauten Kohl und Uputhu (Maisbrei), höchstens mal am Sonntag Hähnchen.

AIDS - hautnah, denn jede Woche werden 5 - 7 junge Leute beerdigt. Wie viele Freunde und Bekannte werden gestorben sein, bis sie zurückkommt? So ist der AIDS-Test, der in Deutschland verlangt wird, nicht nur eine Formalität.

Warum haben wir sie - meine Familie, meine Gemeinde und die evangelische Jugend - eingeladen?

Im März 1998 las ich die Bitte Bischof Tutus, jungen Leuten aus Südafrika, die vor allem Gewalt kennen, die Möglichkeit zu geben, neue Erfahrungen zu machen, aus diesen Erfahrungen - positiven, wie negativen - zu lernen und das dann zu Hause in das Zusammenleben einzubringen. Zur gleichen Zeit kamen immer wieder junge Leute in unseren Arbeitskreis »Südliches Afrika«, um nach Praktikumsstellen zu fragen, für einige Monate, ein Jahr usw. Auch unser jüngster Sohn wollte ein soziales Jahr in Südafrika machen, weil er durch mich soviel erfahren, so viele Südafrikanerinnen und Südafrikaner kennengelernt hatte.

So dachte ich, das muss doch umgekehrt auch möglich sein, dass junge Leute aus der bisher benachteiligten Bevölkerung zu uns kommen - damit wir voneinander lernen.

Meine Kirchengemeinde, die evang. Jugend, meine Familie waren zu dieser Einladung bereit, und - entscheidend - das entwicklungspolitische Jugendaustauschprogramm der Ev. Jugend in Bayern, übernahm die Kosten für Flug, Versicherung und Sprachkurs. Für Taschengeld, Unterbringung, Sachkosten sind wir in Regensburg zuständig.

Welche Erfahrungen machte Nompumelelo Mncwabe hier?

Der Anfang war schwer, denn sie konnte fast nichts verstehen - alles war so anders, die Kultur, das Essen, das Leben in der Familie, die vielen Termine.

Doch sie erlebte eine große Offenheit in der Gemeinde, bei der Jugend und ganz besonders im Kindergarten. Sie fühlte sich bald nicht mehr als die »Fremde«, denn die Leute interessierten sich für sie und sie ließen M'pumi Freundschaft spüren. Sie feierte das erste Mal in ihrem Leben richtig Geburtstag - ihren 21. - mit einem Fest und vielen Geschenken.

Wie soll es weitergehen?

Am 18. Juli fliegt sie nach Hause, im gleichen Flugzeug zusammen mit meinem Sohn, der im Ostkap ein Praktikum machen wird.

Ihre größte Angst ist, nach Hause zu kommen und wieder arbeitslos zu sein, ohne Studienmöglichkeit.

Wir suchten miteinander nach einem Ausweg. - Einen Arbeitsplatz in Südafrika wollten wir für sie finden - mit der Perspektive, ihren Berufswunsch »Sozialarbeiterin« zu verwirklichen.

Wir fragten bei PACSA nach; denn auch diese Organisation hatte sie empfohlen und kannte sie von ihrer ehrenamtlichen Mitarbeit. Wären sie bereit, sie bei einem Projekt für junge Mädchen und Frauen anzustellen, wenn wir für Personalkosten - zumindest für einen erheblichen Teil - aufkommen würden? Im Januar sagte PACSA eine Stelle zu. - M'Pumi hat nach ihrer Rückkehr nach Südafrika eine Möglichkeit zu arbeiten, denn sie muß Geld verdienen, um ihre Mutter, die kleine Schwester und die Brüder, die zum Teil arbeitslos sind, zu ernähren. Daneben wird M'pumi ein Fernstudium in Sozialarbeit absolvieren, das etwa 7 Jahre dauern wird.

Doch nun konkret, warum ich das alles berichte:

Nun sind wir in Regensburg dabei, einen Förderkreis zur Sicherung von M'Pumis Arbeitsplatz aufzubauen.

Wir suchen 100 bis 200 Menschen, die sich verpflichten, für einige Jahre ein- oder zweimal im Jahr einen festen Betrag zu überweisen, damit wir ihren Arbeitsplatz finanziell absichern können. Sie bekommt das Geld für eine Arbeit, die sie zum Wohl der jungen Generation in Südafrika tut - wahrscheinlich in der AIDS-Beratung.

Spendenkonto:
Förderprojekt: Nompumelelo Mncwabe
Ev. Pfarramt St. Lukas, Regensburg, Konto 151696, BLZ 750 500 00 Sparkasse Regensburg

Birgit Beck

Netz-Info, April 2000

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